Himmel auf Erden

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht.

Das steht auf einem Radiergummi, den ich geschenkt bekommen habe. Und es stimmt. Ich kann nämlich noch nicht einmal diesen ersten Satz einfach so hinschreiben, weil ich mir erst überlegen muss, ob ich den oder eher das Radiergummi bevorzuge.
Ja, ich weiß, ich wollte das Leben genießen und nicht alles so ernst und schwer nehmen, aber mir fehlt ernsthaft die Zeit dazu, und das ist nun einmal sehr schwer. Ob ich will oder nicht interessiert da niemanden. Zeit. Wie kommt man da ran?
Essen gehen, selbst kochen, ins Museum, ins Theater, ins Kino, Bücher lesen, Füße hochlegen, abschalten, sich unterhalten und austauschen, Schokolade essen, zum Sport gehen, Krimi schreiben, Kekse backen, die Oma anrufen, Wäsche waschen, zum Friseur, Massage, die Katze füttern, die Spielmaus werfen ... Ich könnte das alles unter einen Hut kriegen, die Frage ist nur: Wann?
Ich habe mir als zeitsparende Maßnahme bereits Hörbücher gekauft, dabei kann ich wenigstens gleich auch Kartoffeln schälen und die zweite Überarbeitung meines eigenen Buches liegt auf einem Stick, den ich immer bei mir trage, damit ich im Büro gleich noch eine Stunde anhängen kann, bevor mich Zuhause wieder etwas von meinem Vorhaben ablenkt, aber was kann ich noch tun? Ich kann ja schlecht in der Badewanne mit einem Orangen-Eukalyptus-Bad entspannen und zur gleichen Zeit in der Neuen Nationalgalerie stehen. Es dürfte auch seltsam aussehen, wenn ich im Fitnessstudio mit einer Rührschüssel und einem Schneebesen in den Händen auf dem Laufband stehe und versuche, den Po zu straffen. Oder soll ich im Theater die Catnip-Maus vom Rang werfen und gucken, ob Corinna Harfouch hinterher sprintet und sich darauf herumwälzt?
Nein, sollte ich wohl besser nicht. Und jetzt?
Ja, jetzt fehlt mir Zeit, weil ich ja irgendwann auch noch arbeiten muss, um meine Einkäufe in der oberen Etage des KaDeWe leisten zu können und weil ich meinen Job ja obendrein auch noch gerne mache. Es ist ein Dilemma, denn wenn die Frage nicht lauten kann, wo ich mehr Zeit hernehmen kann, so lautet sie doch eindeutig: Worauf verzichten? Und das ist es doch eben nicht, was ich wollte. Verzichten.
Ich werde jetzt noch ein paar Minuten lang darüber nachdenken und gleichzeitig meine Mailbox im Büro einrichten, das spart mindestens 2 Minuten, die ich dann später verlesen oder verkochen kann, mal sehen. Aber diesen Beitrag zu bloggen hat mich andererseits auch bestimmt 5 Minuten gekostet... 5 Min. Blog - 2 Minuten = ... Und woher bekomme ich jetzt die 3 Minuten, die mir fehlen?

Mittwoch, 23. September 2009

Den Himmel auf Erden

Nein, ich habe in den vergangenen Wochen nicht viel geschrieben; weder hier noch an meinem geplanten Buch. Himmel, was hätte ich aber nicht alles schreiben können, wenn mir dieser blöde Job nicht in die Quere gekommen wäre. Immer diese Nerv tötende Geldscheffelei zwischendurch, um jeden Preis. Gut, manchmal muss man die Arschbacken zusammenkneifen, habe ich ja auch, aber dieses Mal bezahle ich meine Rechnungen mit grauen Haaren (Oh ja, ich habe sie gesehen! Beim Frisör!) und mit Stresspickeln, die nie wieder weggehen wollen, wie es scheint.
Kann es denn wirklich sein? Kann es sein, dass es unser Schicksal ist, darauf zu warten, dass etwas zu Ende geht?
Ich sage: NEIN. Gut, es ist etwas dran an diesem Spruch, dass man das eine möchte und das andere muss, aber um dieses Müssen drum herum ist ausreichend Zeit, Dinge zu tun, die Spaß machen, die ein absoluter Genuss für Körper und/oder Geist sind.
Und ich sage: OH JA!
Ich bin kurz nach dem festen Vorsatz, mehr für mich (und somit übrigens auch für meine bessere Hälfte) da zu sein, losgelaufen und habe für 16€ die leckerste Schokolade gekauft, die ich in dieser Stadt bekommen konnte. Bruchschokolade aus der Schweiz; 60% mit Brombeersplittern; 60% mit Mandelsplittern und Orange; 60% mit Chili; 60% mit ganzen, karamelisierten Mandeln. Übrigens ist es nicht mein Plan, mich aufs Sofa zu werfen, Schokolade zu mampfen und fett, aber fröhlich zu werden, falls Ihr das nun denken sollten. Oh nein. Außer möglichst wirklich, wirklich gut zu essen und wieder viel öfter gut zu kochen, werde ich wieder ins Theater gehen, denn die Sommerpause ist vorbei. Ich werde zu Konzerten gehen, haufenweise Krimis lesen oder wahlweise auch hören, ich werde in die Sauna gehen, in Orangen-Eukalyptus-Ölen oder Milch und Honig baden, Erdbeer- oder Schlammmasken machen, ausgiebig mit meinen beiden Schmusekatzen kuscheln und am Wochenende Nachmittagsnickerchen machen, wann immer mir danach ist, zum Sport gehen, wenn ich Lust habe und nicht, weil Dienstag, Donnerstag oder Samstag ist, mit Freunden ein unglaublich gute Flasche Rotwein aufmachen und so weiter und so weiter.
Aber, ich werde natürlich auch essen. Es muss nicht immer Lammcarrée mit Blattspinat sein oder Seezungenfilet mit Nordseekrabben in Champagnersoße, es darf auch mal'ne Nudel in Tomatensoße sein. Aber wenn es eine Pasta wird, dann eine handgemachte, italienische Pasta, mit einer rauhen Oberfläche, damit sie die Soße optimal aufnimmt, perfekt al dente. Und die Soße sollte selbst gemacht sein, kein Industriezeug aus dem Glas; duftendes Basilikum, einen Hauch Thymian, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, eine Prise Meersalz, umwerfend fruchtig-aromatisches Olivenöl, duftende, sonnengereifte Tomaten, gehäutet und entkernt, rote Zwiebelchen und junger Knoblauch leicht gedünstet, vielleicht mit ein paar schwarzen, kräftigen Oliven, 2-3 getrockneten Tomaten...
Kapiert?
Heiße Schokolade wird nicht mehr aus Pulver angerührt, oh nein. 70%ige Zartbitterschokolade raspeln, in Milch, etwas Wasser und einem Schluck Sahne aufkochen, durch ein Haarsieb abseihen, Sahne mit einem Hauch Zimt und einem Löffel Zucker aufschlagen... Mmmmh.
Kurz: Ich werde mir zwischen all der Hektik und dem Stress und all den Angst gesteuerten oder vor Zorn blitzenden Blicken den Himmel auf Erden bereiten.
Und ich werde weiterschreiben. Denn genau das ist es (neben essen, grunz), was mir im Moment wirklich, wirklich unglaublichen Spaß bereitet. Das, und vielleicht noch das ein oder andere, über das ich jetzt wirklich nicht mit Euch sprechen möchte. Mit Euch nicht, aber....
Hase?! Haaaaseeee? Wo steckste denn? :-P

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