Gast des Tages

Samstag, 29. September 2007

Ich sagte doch: "Nehmt sie weg!"

Dieser Herr hier, also nicht die verrückte Tante, kam tatsächlich noch einmal wieder.
Wieder schluffte er durch den Laden, grabschte sich einen Hocker am schmalen Ende des Tresens und bestellte wie neulich ein "Wie heißt denn dieses eine Bier nochmal, das nicht aus Berlin kommt?"
Ich hätte mir einen Spaß und ein lustiges Frage und Antwortspielchen daraus machen können, denn Biere, die nicht aus Berlin kommen, kann jeder 4tklässler aus Neukölln über mehrer Stunden hinweg aufzählen. Ich möchte mich aber gar nicht erst in eine Unterhaltung verwickeln lassen, denn ich weiß ja, das die Flöte vor mir'n ziemlich deutlichen Sprung in der Schüssel hat.
" 'N Kölsch, hum?", fällt daher meine Antwort doch eher knapp gehalten aus.
Auf das weitere Gebrabbel höre ich erst gar nicht und widme mich stattdessen meinen anderen Gästen ausgiebigst und scheuere ein paar Putzlappen durch.
Es nützt nichts! Trotz aller Bemühungen.
"Wissen Sie, es könnten zwar ruhig zwei Millimeter mehr sein, aber mir gefällt's."
"Was?" Ich bin gut erzogen, wirklich, aber ich WOLLTE mit dem Kerl nicht quatschen. Meine Intuition trügte nicht, wie sich noch herausstellen sollte.
"Naja, Sie wissen schon.", sagte er und griente schmierig.
"Nö, ich weiß gar nix." Ich stell mich nicht nur doof, in dem Augenblick verstehe ich tatsächlich nicht, worauf der Spinner hinaus will.
"Soll ich es Ihnen erklären?"
"Nö, behalten'ses doch einfach für sich."
"Es könnten zwar zwei Millimeter mehr sein, aber ich finde sie perfekt so."
Ich ignoriere den Kerl wieder. Er nervt. Ich quäle die Kaffeemaschine am anderen Ende des Tresens mit den verschiedensten Putzmittelchen. Er hat's wohl verstanden, denn nun quasselt er den jungen Mannn vom übernächsten Barhocker voll.
"Und? Was sagen Sie dazu?"
Ich will nicht hinhören, aber ich muss irgendwie. Eine unbekannte Macht zwingt mich dazu.
"Ihre Brüste. Ich mag Ihre Brüste. Ich finde, sie sind perfekt."
Mir bleibt die Luft weg. Das darf ja wohl nicht...
"Halten Sie das für angebracht?", fragt der junge Gast den Spinner. I still ringe nach Luft!
"Und haben Sie gesehen wie die junge Frau dort vorne ihren Löffel ableckt? Wie sie sinnlich mit ihren Lippen den Löffel umschließt und-"
Er spricht von meiner Kollegin, die sinnentrückt abwechselnd im Latte Macchiato rührt und den Milchschaum von ihrem Löffel zutscht. Ich komme langsam wieder zu mir und finde gleich die passenden Worte. Äh, das passende Wort.
"RAUS!"
"Wie bitte? Ich wollte nicht-"
"Ich sagte RAUS hier und zwar flott!", deute mit meinem strengsten Zeigefinger auf die Tür und nehme ihm gleich die Entscheidung über die letzte Leerund seines Bierglases mit der anderen Hand ab.
Mein kleiner schwuler Kollege kommt um die Ecke geschossen und macht das HB-Männchen.
"Ja genau, fuck off, Du Schwuchtel! Und lass Dich hier nie wieder blicken!" Mit einer Hand am Rücken des Psychoonkels und einem bgleitenden "Komm komm, keine Zickereien jetzt hier." zur Vorsorge, komplimentiert mein Kollege den Irren hinaus.
Und gestern stand der kranke Typ doch wieder vor der Tür?! Kam aber nicht rein, hat sich getrollt.

Ich sagte doch laut und deutlich:
NEHMT SIE WEG! Bitte?

Ich sagte doch: "Nehmt sie weg!"

Donnerstag, 20. September 2007

Und täglich grüßt das Pferd

Dit fliehende Pferd kommt jetzt regelmäßig aufn zickigen Tee vorbei.
Keen Problem soweit, aber wende Dia in mia verkiekt has, dit wird nischt, verstehste? Ers heute is so'n steiler Zahn oben inet zweete Oberjeschoss rinjezogen und die Alte, die mach' ick klar. Aber hundert Pro, verstehsse? Keene Schanze, dürret Pferd!

Gast des Tages:
"Habt Ihr Spiegeleier mit Bacon?"
"Ein Mal Spiegeleier mit Speck...", nuschel ich notierend.
"Nee nee!", greift die Zipfelmütze hektisch zeigefingerfuchtelnd ein. "Nicht mit Speck, mit BACON!"
"Sag ich doch. Bacon, zu deutsch Speck."
"Nee, ich meine schon BACON! Was Du meinst ist "ham"."
"Nö, denn "ham" wäre ja Schinken. Du wolltest doch Speck?" Die arme Zipfelmütz ist wohl durcheinander, wie?
"Hey, ich will das vom Schwein, OKAY?!" Aha, Mützi will also zickig werden, ja?
"Ist beides vom Schwein.", sag ich und warte besserwissend und provokant kugelschreiberaufmblockrumtippend auf die nächste dumme Antwort.
"Ach, Du hast ja keine Ahnung, echt ey. Ich WILL Spiegeleier mit BA-CON, alles klar?!"
Alles klar.
Schlimm schlimm...- Armes Zipfelwürstchen.

Mittwoch, 19. September 2007

Die Nonnen von St. Hedwig und ihre Irren

Ich hatte bereits davon gehört, dass das nahe gelegene Sankt Hedwig-Krankenhaus in Mitte die psychologische Abteilung erweitert und ausgelagert hat, aber langsam glaube ich zu spüren, wie nah an meinem Arbeitplatz die Nonnen und ihre Ärzte eigentlich mit Gehirnen experimentieren.
Gestern kam ein Mann mittleren Alters herein und stromerte mehere Minuten am Tresen entlang. Erst glaubte ich, er könne sich einfach nicht entscheiden, wo er sitzen möchte oder er suchte vielleicht jemanden, aber mir kam es seltsam vor, dass er seine Nase immer so offensichtlich schnuppernd in die Luft hielt.
"Entschuldigung, kann ich vielleicht helfen?", fragte ich.
"Sagen Sie, riechen Sie hier so nach Parfum?" lautete seine Gegenfrage. Na toll, Patrick Süsskinds Monsterriecher kommt aufn Kaffee rum.
"Nö, kann ich mir nicht vorstellen. Ich rieche sozusagen nach nix.", behauptete ich.
"Ach, konnte ich mir auch nicht wirklich vorstellen. Dafür halte ich Sie wirklich für zu intelligent." Ich konnte den krausen Gedanken des seltsamen Mannes nicht folgen, also blieb es bei einem Verständnis geheucheltem Grunzen meinerseits.
Herr Wirr setzte sich an den Tresen, bestellte ein Kölsch.
"Sagen Sie, gilt denn hier auch schon das Rauchverbot?"
Ich sah mich im Raum um. Überall auf den Tischen standen Aschenbecher, mit Kippen drin, die Gäste an den Tischen genüsslich und zu Hauf rauchten.
"Ähm, in Süddeutschland ist das Gesetz bereits in Kraft getreten, hier in Berlin aber noch nicht."
"Ja, aber die Kraft des Gesetzes eilt ihm doch bereits voraus, nicht wahr? Es wird doch freiwillig schon viel weniger geraucht!"
"Ist mir nicht weiter aufgefallen bis jetzt."
"Doch, doch, achten Sie mal drauf!"
Ich achtete, indem ich mich im verqualmten Gastraum umsah. Man konnte kaum bis zur Tür runterschauen durch die blauen Nebelschwaden, also blieb ich bei meiner Antwort:
"Tut mir leid, ist mir echt noch nicht aufgefallen."
"Wollen Sie damit etwa behaupten, dass mit meiner Wahrnehmung etwas nicht in Ordnung ist?" Er wurde laut, stand auf, rang sich ein verkrampftes Lächeln ab.
Ja, will ich behaupten. Ähh- "Nein, das will ich damit nicht sagen."
Eigentlich hatte der Gast gezahlt und lag sicher längst wieder auf der Couch des Facharztes um das Erlebnis zu verarbeiten, dachte ich, als mir Herr Wirr plötzlich auf der engen Wendeltreppe entgegen kam. Er sprach mir aus der Seele, als er sagte:
"Scheiße, ausgerechnet Sie!"

Und hier ein dringende Bitte:
Liebe Psychoanalytiker, können Sie nicht Ihre schöne Fachabteilung nehmen und zum Beispiel gen Wedding ziehen? Ich meine, neulich erst stand ein Typ rauchend am Tresen, wollte aber partout nichts trinken. Bevor er ging, raunte er noch geheimnisvoll in meine Richtung:
"Ich bin eine ganz verrückte Tante, weißt Du? Ich steh total auf unrasierte Muschis!"
Herrgottnochmal, wen interessiert das?
NEHMT SIE WEG!

Dienstag, 26. Dezember 2006

Ein Freund

Nennen wir ihn einfach einen Freund. Einen groß gewachsenen, breitschultrigen, dunklen, stolzen Freund aramäischer Abstammung; sanft, aber ungeduldig. Er mag keinen Schnickschnack, dieser Freund, besonders nicht an seinen Getränken. Keine Schirmchen, keine bunten Strohhalme mit Lametta, kein halbes Kilo Obstsalat, keine Sahne, keinen Zucker, nichts. Bier, Gin Tonik, Kaffee. Fertig.
Kurz bevor ihm die Nerven durchgehen, sagt er immer "Junge" zu Typen, die er gerne hauen würde.

Dieser Freund jedenfalls ging aus purer Neugierde eines Tages auf der Rosenthaler Straße am Hackeschen Markt zu Starbucks und bestellte sich einen Kaffee zum mitnehmen. Togo eben. Der quirlige Starbucksangestellte fragte:
"Kaffee? Was denn für einen Kaffee? Richtigen Kaffee, Cappuccino, Frappuccino, Milchkaffee, Kaffee Latte, Espresso, double..."
"Kaffee.", brummte der Freund, den Wortschwall verkürzend.
"Okay.", sagte der Starbucksi, aber meinte damit nicht etwa, dass er verstand, was er nun zu tun hatte. Stattdessen fragte er munter hüpfend vor einer Tafel herumfuchtelnd:
"Und welcher Kaffee soll es sein? Mit Haselnussröstung oder vielleicht Schokoladenröstung oder mit Vanillesirup, Karamelsirup, Cocossirup, Zimtgeschmack?"
"KAFFEE."
"Brauchst Du vielleicht Süssstoff, braunen Zucker, Honig, Sojamilch, Halbfettmilch, Skim Milk-"
"JUNGE, was ist so schwer zu verstehen an K A F F E E !? Ich komm Dir da gleich mal rüber und ich sicher, dass es Dir nicht gefallen, wenn ich erstmal drüben bin. Verstehst Du, was ich meine?" Starbucksi nickt, die Menge jubelt.

Hm, vielleicht kommen die Amis mit diesem Konzept besser klar, wenn ich das so lese, als wir genügsamen Berliner. Wir hatten ja fürher auch nix, verstehste? Warum dann jetzt plötzlich diese unnütze Fragerei? Und gibt's da eigentlich kein Milchmädchen?

Samstag, 23. Dezember 2006

Gast des Tages

"Guten Tag.
Ich hätte gerne einen Milchkaffee mit zwei Drittel entkoffeiniertem und einem Drittel normalem Kaffee und zu einer Hälfte mit Soja- und der anderen Hälfte Kuhmilch, dazu ein Gläschen lauwarmes Leitungswasser."
"Zwei Drittel warmes und ein Drittel kaltes Leitungswasser wären recht?"
"Wie bitte?"
"Gehen Sie bitte zu vier Vierteln davon aus, dass zusätzlich zum Personal auch jeder Gast in Hörweite gleich erst zu Ihnen herüber sehen und dann in schallendes Gelächter ausbrechen wird."
"Och, das macht nichts. Das passiert in etwa 50% aller Läden, in denen ich so bestelle."
Nun denn ... Obwohl ich glaube, dass darüber in 100% aller Läden gelacht wird, nur vielleicht nicht so laut oder erst hinten in der Küche.

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