Bei klarem Verstand
An dieser Stelle wollte ich ursprünglich die ein oder andere kleine Anekdote aus dem Leben meines Großvaters mütterlicherseits anbringen, doch ich habe jedes einzelne Wort wieder gelöscht. Ich habe mehrere Anläufe genommen, aber die Geschichten hörten sich laut gelesen gequält und bedrückt an. Warum?
Mein Großvater kam vor zwei Wochen wegen eines an sich unspektakulären Knochenbruchs am Fuß ins Krankenhaus. Diese Fraktur löste eine unaufhaltsame Kettenreaktion aus, die auf die eine oder andere Weise, über kurz oder nur geringfügig länger zum sicheren Tod führen wird.
Wie oft werden Menschen bedauert, die im Alter ihren Sinn für ihre Umgebung, für die Realität verlieren? Aber ist es besser, genau mitzubekommen, wie innerhalb von nur wenigen Tagen Organe ihren Dienst verweigern werden, Körperteile den Befehlen des Gehirns nicht mehr folgen können und zu beobachten, wie der eigene Körper Stunde um Stunde mehr in sich zusammenbrechen wird?
Niemand hat ihn bisher darüber informiert, dass er und die Ärzte in einer Zwickmühle ohne Ausweg sitzen, und doch sagte er, ein gestandener Mann von fast zwei Metern Körpergröße, einhundert Kilogramm Machomuskelprozt mit schulterlangem, schlohweißem Haar bei einundneunzig Lebensjahren, der niemals Angst vor etwas oder jemandem gezeigt hat, mit gesenktem Blick:
"Alt werden ist nichts für Feiglinge." Er weiß es.
Mein Großvater kam vor zwei Wochen wegen eines an sich unspektakulären Knochenbruchs am Fuß ins Krankenhaus. Diese Fraktur löste eine unaufhaltsame Kettenreaktion aus, die auf die eine oder andere Weise, über kurz oder nur geringfügig länger zum sicheren Tod führen wird.
Wie oft werden Menschen bedauert, die im Alter ihren Sinn für ihre Umgebung, für die Realität verlieren? Aber ist es besser, genau mitzubekommen, wie innerhalb von nur wenigen Tagen Organe ihren Dienst verweigern werden, Körperteile den Befehlen des Gehirns nicht mehr folgen können und zu beobachten, wie der eigene Körper Stunde um Stunde mehr in sich zusammenbrechen wird?
Niemand hat ihn bisher darüber informiert, dass er und die Ärzte in einer Zwickmühle ohne Ausweg sitzen, und doch sagte er, ein gestandener Mann von fast zwei Metern Körpergröße, einhundert Kilogramm Machomuskelprozt mit schulterlangem, schlohweißem Haar bei einundneunzig Lebensjahren, der niemals Angst vor etwas oder jemandem gezeigt hat, mit gesenktem Blick:
"Alt werden ist nichts für Feiglinge." Er weiß es.
breezerbox - 11. Okt, 01:02

