Freitag, 22. Mai 2009

Brückentag ist für Weicheier

Nur wer richtig volltrunken ist kann ernsthaft glauben, dass tatsächlich jemand vom Tode auferstehen kann und dann auch noch einen Freifahrtschein in den Himmel bekommt. Tst, ich bitte Euch, da muss doch noch unbedingt ein Bewußtseinserweiterungsmittelchen dazu, nur Alkohol schafft nicht, dass man ausgewachsene Männer gen Himmel fahren sieht.
Da bietet es sich also an, am offiziell auserwählten Tag von Christi Himmelfahrt, einem der heiligsten Feiertage der allein selig machenden katholischen Kirche, ein rauschendes Fest zu veranstalten. Also ab in die Kremserwagen, einen alten Gaul davor gespannt, ab in die Alibinatur und ran an den Alkohol, bis selbst Wickies stärksten Männer umkippen wie gefällte Eichen und Tote zum Himmel aufsteigen sehen. Wer hat sich bloß diesen Blödsinn ausgedacht?
Nun, ich habe das Glück in Berlin zu wohnen, wo zwar Ende des 19. Jahrhunderts angeblich diese bescheuerte Tradition aus Amerika übernommen wurde (Siehste, selbst die überkatholischen Amis glauben den Quatsch erst, wenn sie richtig voll sind!), dafür liegen hier die Schnapsleichen neben ihren leeren Bollerwagen erst vor den Toren der großen Stadt in den Gräben und belästigen somit mein Auge nicht im Geringsten. Vor sieben Jahren hatte ich mich ja versehentlich für ein Jahr aufs platte Land verlaufen, wo Tage wie dieser besondere Vatertag schon Wochen im Voraus bis ins letzte Detail durchgeplant werden. Auch wenn sich spätestens nach zwei Stunden Fahrradtour mit Molle in der einen und Korn in der anderen Hand keiner mehr an eben diese Details im geplanten Ablauf erinnern kann. Warum auch? Wie soll der Ablauf schon aussehen? Flasche auf, ran an den Hals, laufen lassen, schlucken. Also, das kann sich nun wirklich jeder merken.
Aber dann, am nächsten Tag... Am nächsten Tag ist der Katzenjammer groß. Katerjammer genau genommen.
Es ist immer die gleiche Leier. Alker Seltzer her, den Spuckeimer her, Versicherungsmann her, Scheidungsanwalt her, Kündigung zurückziehen... Es gibt immer allerhand zu tun und wieder gerade zu rücken nach solchen Festgelagen, ob sie nun ausnahmslos privater Natur waren oder man sich vielleicht sogar zu einem Betriebsausflug hat hinreißen lassen. Aber wie soll man es schaffen, all diese Dinge noch neben der normalen Arbeit wieder ins Lot zu bringen? Gar nicht. Es muss ein Brückentag her. Prima, und was machen all die fleißigen Bienchen, die an einem solchen Tag ganz normal arbeiten wollen? Offenbar nichts, denn es geht nirgends jemand ans Telefon. Naja, die ein oder andere müde Sekretärin übernimmt den Telefondienst, aber mehr ist nicht zu holen. Nicht einmal bei einer Institution wie bei der GEMA! Ist das zu fassen? Da geht eine arme, einsame Telefonzentralistin bei der Generaldirektion Berlin ran und beteuert, heute sei niemand zu erreichen. NIEMAND! Der Laden erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von über 800 Millionen Euro und heute ist NIEMAND ans Telefon zu kriegen? Ich fass es nicht.
Ihr Brückentagnehmer seit schlimmere Weicheier als die Turnbeutelvergesser. Wer saufen kann, kann auch arbeiten, dachte ich, aber nö. Wieder nur dicke Eier markiert und dann doch den Schwanz eingezogen. Nun stellt Euch doch bitte nicht so an. Also wirklich...

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