Der Anti-Knigge
Jajaja, ich weiß schon, welcher Einwand sich bereits bei der Überschrift in die Gehirnwindungen schleicht:
"Der hat doch aber gar nicht diese blöden Benimmregeln aufgestellt. Die hat doch ein Verleger ihm voll gemein, hinterlistig und post mortem angedichtet." Stimmt. Eigentlich wollte der Freiherr sein persönliches Verständnis von Taktgefühl und Höflichkeit schriftlich festhalten und genau darauf möchte ich hinaus.
Wir leben in einer Zeit, in der jeder Zweite lauthals die Servicewüste im Dienstleistungsbereich beklagt und sich über fortschreitende Verrohung der Sitten ereifert. Naja, sagen wir lieber jeder Dritte beklagt und ereifert sich, denn jedem Zweiten fällt höchstwahrscheinlich kaum noch auf, dass es immer häufiger an einem ordentlichen Umgang im Alltäglichen fehlt.
Ich selbst muss mit Erstaunen feststellen, dass der sich in Form eines bösartigen Virus verbreitenden Servicewüste ein unüberschaubar großer Pulk an wüsten Gästen gegenüberstellt. Da frage ich mich natürlich, was wohl zuerst da war, das Huhn oder das Ei, aber werfen wir doch einmal einen kritischen Blick auf die Fakten anhand eines anschaulichen Beispiels. Anschaulich, jedoch lange nicht abwegig.
Ein Kunde betritt ein Bettenfachgeschäft und stratzt schnurstracks auf einen gähnenden Bettenfachgeschäftmitarbeiter zu und fragt:
"Sagen Sie mal- Kissen?"
Der Bettenfachgeschäftmitarbeiter deutet dem Kunden wortlos, dafür aber mit bis in den Zeigefinger ausgestrecktem Arm den Weg durch die Lattenroste. Der Kunde ruft auf dieses empörende Erlebnis hin sofort seine Frau an:
"Hömma, Uschi, weiße, wat mir grad passiert is? Ich- Wat? Ich, kär, dein Heinz, du taubes Stück. Also, ich geh nach'n Bettenladen hier anne Ecke und frach nach Kissen und der Lahmarsch zeicht mit'n nackten Finger inne Ecke.- Wie: 'Na und?' Der sacht nich 'Guten Tach', der sacht überhaupt nix und zeicht nur inne Ecke, verdammt nomah! Dat mach man nich, Uschi! Verstehste? Voll die Servicewüste hier in'n Bettenladen. Voll!"
Gleichzeitig schleicht der Bettenfachgeschäftmitarbeiter rüber zu seiner Kollegin, die genüsslich ihren grünen Kaugummi um die strasslackierten Fingernägel wickelt und zischelt:
"Schacklien, hasse den geseh'n? Den Dicken da drüben, mit den Schnurbart, der zu kurzen Hose, den Tennissocken und dem Handy an den Blumenkohlohren? Hasse dat vor allem gehört? Der sacht nicht 'Guten Tach', der spricht nich in ganzen Sätzen, der sacht weder 'Bitte' noch 'Danke', da hab ich nur mit'n Finger gezeicht, wo is, wat er sucht. Verstehste? Dat macht man doch nich, Schacklien!"
Nö, macht man auch nicht. Niemand sollte sich soweit herablassen, dass er jeden noch so kleinen Funken an Takt und Höflichkeit im Umgang mit seinen Mitmenschen schon im Ansatz erstickt.
In meiner Branche habe ich mit jährlich wachsender Rate mit Menschen zu tun, die ihre Muttersprache ohne erkennbaren Grund, wie vielleicht Krankheit oder unüberwindbare Sprachbarriere, gegen eine unhöfliche und verabscheuungswürdige Form der Gestik eintauschen.
Mir Geld auf den Tresen zu werfen und auf die Nachfrage, wofür das Geld bitte gedacht sei, mit angedeutetem Kopfnicken in eine wage Richtung zu deuten, ist- Nennen wir es unhöflich. Worte zu benutzen ist manches Mal nicht schöner, wenn sie beispielsweise quer durch den Gastraum und durch ausgerechnet den Gesellschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hindurch gebrüllt werden. Erst neulich war mein Tagespensum an erträglichen Unhöflichkeiten noch vor der rettenden Glocke zum Feierabend ausgeschöpft, als ich versuchte einen Gast postpubertär dazu zu bewegen in ganzen Sätzen zu sprechen. Daraufhin benutzte er in einem grammatikalisch einwandfreien Satz Worte wie 'asozial' und 'Schlampe' und meinte damit zweifelsfrei mich und ich wünschte mir, ich hätte ihm sein Grunzen und wages Kopfnicken einfach gelassen.
"Der hat doch aber gar nicht diese blöden Benimmregeln aufgestellt. Die hat doch ein Verleger ihm voll gemein, hinterlistig und post mortem angedichtet." Stimmt. Eigentlich wollte der Freiherr sein persönliches Verständnis von Taktgefühl und Höflichkeit schriftlich festhalten und genau darauf möchte ich hinaus.
Wir leben in einer Zeit, in der jeder Zweite lauthals die Servicewüste im Dienstleistungsbereich beklagt und sich über fortschreitende Verrohung der Sitten ereifert. Naja, sagen wir lieber jeder Dritte beklagt und ereifert sich, denn jedem Zweiten fällt höchstwahrscheinlich kaum noch auf, dass es immer häufiger an einem ordentlichen Umgang im Alltäglichen fehlt.
Ich selbst muss mit Erstaunen feststellen, dass der sich in Form eines bösartigen Virus verbreitenden Servicewüste ein unüberschaubar großer Pulk an wüsten Gästen gegenüberstellt. Da frage ich mich natürlich, was wohl zuerst da war, das Huhn oder das Ei, aber werfen wir doch einmal einen kritischen Blick auf die Fakten anhand eines anschaulichen Beispiels. Anschaulich, jedoch lange nicht abwegig.
Ein Kunde betritt ein Bettenfachgeschäft und stratzt schnurstracks auf einen gähnenden Bettenfachgeschäftmitarbeiter zu und fragt:
"Sagen Sie mal- Kissen?"
Der Bettenfachgeschäftmitarbeiter deutet dem Kunden wortlos, dafür aber mit bis in den Zeigefinger ausgestrecktem Arm den Weg durch die Lattenroste. Der Kunde ruft auf dieses empörende Erlebnis hin sofort seine Frau an:
"Hömma, Uschi, weiße, wat mir grad passiert is? Ich- Wat? Ich, kär, dein Heinz, du taubes Stück. Also, ich geh nach'n Bettenladen hier anne Ecke und frach nach Kissen und der Lahmarsch zeicht mit'n nackten Finger inne Ecke.- Wie: 'Na und?' Der sacht nich 'Guten Tach', der sacht überhaupt nix und zeicht nur inne Ecke, verdammt nomah! Dat mach man nich, Uschi! Verstehste? Voll die Servicewüste hier in'n Bettenladen. Voll!"
Gleichzeitig schleicht der Bettenfachgeschäftmitarbeiter rüber zu seiner Kollegin, die genüsslich ihren grünen Kaugummi um die strasslackierten Fingernägel wickelt und zischelt:
"Schacklien, hasse den geseh'n? Den Dicken da drüben, mit den Schnurbart, der zu kurzen Hose, den Tennissocken und dem Handy an den Blumenkohlohren? Hasse dat vor allem gehört? Der sacht nicht 'Guten Tach', der spricht nich in ganzen Sätzen, der sacht weder 'Bitte' noch 'Danke', da hab ich nur mit'n Finger gezeicht, wo is, wat er sucht. Verstehste? Dat macht man doch nich, Schacklien!"
Nö, macht man auch nicht. Niemand sollte sich soweit herablassen, dass er jeden noch so kleinen Funken an Takt und Höflichkeit im Umgang mit seinen Mitmenschen schon im Ansatz erstickt.
In meiner Branche habe ich mit jährlich wachsender Rate mit Menschen zu tun, die ihre Muttersprache ohne erkennbaren Grund, wie vielleicht Krankheit oder unüberwindbare Sprachbarriere, gegen eine unhöfliche und verabscheuungswürdige Form der Gestik eintauschen.
Mir Geld auf den Tresen zu werfen und auf die Nachfrage, wofür das Geld bitte gedacht sei, mit angedeutetem Kopfnicken in eine wage Richtung zu deuten, ist- Nennen wir es unhöflich. Worte zu benutzen ist manches Mal nicht schöner, wenn sie beispielsweise quer durch den Gastraum und durch ausgerechnet den Gesellschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hindurch gebrüllt werden. Erst neulich war mein Tagespensum an erträglichen Unhöflichkeiten noch vor der rettenden Glocke zum Feierabend ausgeschöpft, als ich versuchte einen Gast postpubertär dazu zu bewegen in ganzen Sätzen zu sprechen. Daraufhin benutzte er in einem grammatikalisch einwandfreien Satz Worte wie 'asozial' und 'Schlampe' und meinte damit zweifelsfrei mich und ich wünschte mir, ich hätte ihm sein Grunzen und wages Kopfnicken einfach gelassen.
breezerbox - 23. Okt, 21:16

