Freitag, 20. Oktober 2006

Mutter ist auch komisch.

Über meine Mutter sollte in entsprechender Fachzeitschrift ein Artikel mit Fotostrecke über vier Seiten erscheinen. Der Artikel war mies, also habe ich ihn ein wenig umgestrickt.
Jetzt ist die Zeitschrift raus und einern ihrer Kollegen vom Fach, nennen wir ihn Herrn M. aus HH, kriegt'n halben Herzkasper, weil er denkt, er hätte diese Story viel mehr verdient.
Muttern zitiert also am Telefon aus dem Artikel und kommentiert danach die M'schen Reaktionen.
"Und dann habe ich geschrieben..."
"Ich weiß, was drin steht, Mutter. Ich habe den Artikel umgeschrieben."
"Ja, genau. Aber dann haben die da noch eingebaut, dass..., was ihm ja überhaupt nicht passte. Richtig gespuckt hat er beim Sprechen, so hat er sich aufgeregt. Und dann steht da noch, das finde ich ja besonders lustig,..." Ja was ist denn los mit der Frau? Sie kann doch in diesem Alter nicht schon senil werden!
"Ich weiß, Mutter, ICH habe den Artikel ge-schriiie-ben!!!"
"Ja ja. Aber da hat sich vielleicht aufgeregt. Hat sich benommen wie'n Straßenköter, fehlte nur, dass er mich beißt. Aber ist es nicht toll, dass da steht, dass..."
Oh man, ich geb's auf. Die Frau hört einfach nicht zu. Wahrscheinlich hat sie nicht einmal bemerkt, dass sie mich am Telefon hat und nicht ihre Schwester zum Beispiel. Wenn sie schon nicht interessiert, was ihre Gesprächspartnerin so sagt, dann kann sie bestimmt gleich die Stimme komplett ausblenden, das ist die einzig logische Erklärung.

Spanier sind komisch

Ein aufgetakeltes Schrapnell und zwei Chicos, der eine dürr, der andere kugelrund, kamen gestern bei der Arbeit durch die Tür gestolpert. Wie unsere Katzen: Schön alle gleichzeitig irgendwo durchquetschen und sich wundern, wenn der dicke Hintern stecken bleibt.
"¡HOLA!", schreit die Alte und wirft sich polternd auf den nächstbesten Stuhl. Ich flitze ein paar Mal im Kreis und an ihnen vorbei (war voll und ich hatte ein - zwei Kaffee zuviel), bis sie zu wissen scheinen, was sie bestellen möchten.
Irrtum.
"Un café decoffeinato y un espresso normal. Un"
"¡No no no!", unterbricht sie das schmale Hemd neben ihr fuchtelnd und reisst die Blumen vom Tisch. Vokale zischen wild durcheinander durch die Luft, ich verstehe nur vage, was los ist. Ich versuche zu schlichten und frage jeden einzeln, was er trinken möchte, aber es geht nicht, weil das schmale Hemd immer dazwischenquatscht. Hinter mir schnippt einer mit den Fingern nach mir, die Bestellung eines anderen Tisches verabschiedet sich aus meinem Kurzzeitgedächtnis.
Mir wird's zu bunt, ich verliere die Geduld.
"¡Ay caramba!", rufe ich dazwischen. Aber es hilt nicht. "¡¡Silencio!!" Das kam schon lauter.
Die drei Spanier gucken verdutzt, ebenso alle sechs Tische drumherum. Ich muss lachen und tippe symbolisch auf die Stelle, an der normalerweise eine Uhr am Arm klemmt.
"Et is voll, Kinners. Für sowat fehlen mir heut echtma die Nerven, ¿comprendes?"
Das war das erste mal, dass ich in Berlin von einem Spanier Trinkgeld bekommen habe.

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