Sonst nie, aber heute.
Ich halte mich nicht für übermäßig ramontisch. Ich weiß ja nicht einmal, wie man das schreibt. Weder seitenlange Liebesbriefschwülste noch stundenlanges Geplärre von ewiger Treue und tiefschürfender, selbstmitleidtriefender Schwüre über seelische Verbundenheit, die bei Trennung unweigerlich zum Tode führen würde, können mich ernsthaft vom Hocker hauen. Trotzdem bin ich sicher nicht unsensibel, auch wenn ein ehemaliger Kollege dies einmal behauptete.
Er sagte, ich sei mindestens so sensibel wie eine westfälische Stahlbetonwand. Dass ich herzlich darüber gelacht habe, beweist doch, auch ich habe Gefühle!
Außerdem mag ich durchaus Sonnenuntergänge, wecke meinen bH ab und zu mit frischem Kaffee und einer sanften Massage, die das grausame Wachwerden an tiefgrauen Regentagen versüßen. Nur darf es eben nicht ausufern. Ich würde nie auf die Idee kommen, den Tag des dreieinhalbjährigen Bestehens einer Beziehung mit einem Bad zu zweit bei schummrigem Kerzenlicht, einem Glas Champagner, hemmungslosem Sexgelage und einem opulenten, ausgedehnten sexy-food-Mahl zu feiern. Nie! Aber heute.
Nie muss mein bH freitags arbeiten, aber heute.
Und, als wir heute beim überaus empfehlenswerten Feinkostladen "Da Pino" in der Winscheidtstraße Berlin /Charlottenburg standen und ich schwärmte, wie toll der Champagner des Familienbetriebs Berlucchi schmeckt, fragte mein bH:
"Wieviel Geld hast'n mit?" Genug, dachte ich und klatschte freudig in die Hände!
"Ich hab' nämlich Katja (Arbeitkollegin) versprochen, mit ihr anzustossen." Sonst trinkt mein bH übrigens nie Champagner, aber heute. Nicht, dass ich Champagner für etwas überaus Ramontisches halte. Ich trinke immer, überall und mit jedem Champagner, mit oder ohne Gelegenheit. Mein bH könnte also genauso gut nie zum Schrottplatz fahren, aber heute. Mit einer fremden Frau! (Nein, das ist gelogen. Katja ist mir nicht fremd, sondern sehr sympatisch und ganz sicher keine Gefahr, aber dann fehlt mir die Theatralik.) Ausgerechnet heute, an unserem dreieinahalbjährigen Beziehungsjubiläum trinkt sie fremd. Versteht Ihr?
Oh süße Sehnsucht...- Das schreit nach einem Gedicht! Sonst dichte ich ja nie, aber heute. Moment-
Jez sitz ick hier
mit schnödem Bier
janz alleen vorm Computer,
nur ick und der Kater.
Romantik hab' ick abjelehnt,
drum blieb det Jubiläum unerwähnt,
de Rosen noch in Floristenhände
und meen'n Champagner trinkt'ne Fremde.
Alkohol läuft int Blut,
in de Lende brennt Feuer.-
Doch ick fass' neu'n Mut,
det bezahlt'se ma teuer!
Der Vers ist im Umbau,
'n Talent, det keener kannte.
Wird Zeit, det ick abhau,
sonst werd' ick noch zur Lyriktante.
So! Nicht schlecht, was? Für so'ne Stahlbetonwand? Hat mich aber auch eine halbe Packung "Pretzel Pete" gekostet, und zwar die, die laut Packungsbeschreibung generously dusted with lip-smacking honey mustard seasoning sind!
Er sagte, ich sei mindestens so sensibel wie eine westfälische Stahlbetonwand. Dass ich herzlich darüber gelacht habe, beweist doch, auch ich habe Gefühle!
Außerdem mag ich durchaus Sonnenuntergänge, wecke meinen bH ab und zu mit frischem Kaffee und einer sanften Massage, die das grausame Wachwerden an tiefgrauen Regentagen versüßen. Nur darf es eben nicht ausufern. Ich würde nie auf die Idee kommen, den Tag des dreieinhalbjährigen Bestehens einer Beziehung mit einem Bad zu zweit bei schummrigem Kerzenlicht, einem Glas Champagner, hemmungslosem Sexgelage und einem opulenten, ausgedehnten sexy-food-Mahl zu feiern. Nie! Aber heute.
Nie muss mein bH freitags arbeiten, aber heute.
Und, als wir heute beim überaus empfehlenswerten Feinkostladen "Da Pino" in der Winscheidtstraße Berlin /Charlottenburg standen und ich schwärmte, wie toll der Champagner des Familienbetriebs Berlucchi schmeckt, fragte mein bH:
"Wieviel Geld hast'n mit?" Genug, dachte ich und klatschte freudig in die Hände!
"Ich hab' nämlich Katja (Arbeitkollegin) versprochen, mit ihr anzustossen." Sonst trinkt mein bH übrigens nie Champagner, aber heute. Nicht, dass ich Champagner für etwas überaus Ramontisches halte. Ich trinke immer, überall und mit jedem Champagner, mit oder ohne Gelegenheit. Mein bH könnte also genauso gut nie zum Schrottplatz fahren, aber heute. Mit einer fremden Frau! (Nein, das ist gelogen. Katja ist mir nicht fremd, sondern sehr sympatisch und ganz sicher keine Gefahr, aber dann fehlt mir die Theatralik.) Ausgerechnet heute, an unserem dreieinahalbjährigen Beziehungsjubiläum trinkt sie fremd. Versteht Ihr?
Oh süße Sehnsucht...- Das schreit nach einem Gedicht! Sonst dichte ich ja nie, aber heute. Moment-
Jez sitz ick hier
mit schnödem Bier
janz alleen vorm Computer,
nur ick und der Kater.
Romantik hab' ick abjelehnt,
drum blieb det Jubiläum unerwähnt,
de Rosen noch in Floristenhände
und meen'n Champagner trinkt'ne Fremde.
Alkohol läuft int Blut,
in de Lende brennt Feuer.-
Doch ick fass' neu'n Mut,
det bezahlt'se ma teuer!
Der Vers ist im Umbau,
'n Talent, det keener kannte.
Wird Zeit, det ick abhau,
sonst werd' ick noch zur Lyriktante.
So! Nicht schlecht, was? Für so'ne Stahlbetonwand? Hat mich aber auch eine halbe Packung "Pretzel Pete" gekostet, und zwar die, die laut Packungsbeschreibung generously dusted with lip-smacking honey mustard seasoning sind!
breezerbox - 13. Okt, 20:55

