Dienstag, 4. Juli 2006

Reisebericht: Wien

Ab und zu mal was sehen von der Welt, haben bH und ich gedacht. Wenigstens die ein oder andere Stadt sollte man sich mal anschauen, haben wir gedacht. Kaum gedacht, schon gebucht und los ging es mit dem Flieger von Tegel nach Wien.
Uns war bekannt, dass Wien nicht sonderlich groß ist, dass man von der Stadt aber beim Anflug überhaupt nichts sieht, hätte ich nicht geglaubt, hätte ich es nicht selbst nicht gesehen. Mit S- und U-Bahn ging es erst einmal recht unproblematisch und flott zum Hotel, das sich leider nur als eine bessere Jugendherberge entpuppte. Eigentlich nicht weiter schlimm, hätte nicht der Teppich im Zimmer fies gestunken, hätte im Bad nicht lecker Schimmel unter der Decke gewuchert und wäre der Abfluss der dunkelgrünen Wanne nicht verstopft gewesen. Hm, auf den Bildern im Internet war das Bad rot. Und sah alles irgendwie größer aus. Und weniger verkeimt. Umzug, aber hurtig, und Sagrotan-Profilaxe aus der nächsten Drogerie, auch wenn das neue Zimmer ganz gut aussah. Kein Teppich. Bad weiß. Nur ist doch oft besonders gefährlich, was man nicht mit bloßem Auge sehen kann, also Obacht und sprüh`n, was die Pulle her gibt!
Auf den Schreck, zu dem die Stadt an sich ja (noch) nichts kann, war Geld unters Volk bringen angesagt. Nur wie? Die erste ausgewiesene in-shopping-Meile Wiens schien sich ausschließlich auf den Verkauf von Restbestand des unteroberammergauer Trend-Boutiquen Ausverkaufs spezialisiert zu haben. Was da nicht weggeht, hängt drei Jahre später in Wiens Vorzeigeshops. Nur bei international bekannten Labels scheint neue Kollektion drin zu sein, wo neue Kollektion drauf steht. Immerhin. Dann eben nicht, haben wir gedacht, dann gehen wir eben Frustkuchen essen, der ist schließlich über alle Grenzen berühmt. Nur wo? Cafés gibt es zwar in Wien wie in Berlin Zigeuner mit Schifferklavier,aber die sehen auch genau so düster und schmuddelig aus. Es sei denn, sie sind rosa, dann geht`s. Für Terrassengeschäft war das Wetter zu schlecht, also mußten wir an anderen Merkmalen ausmachen, ob der Kuchen gut war. Da vergilbte Klöppelvorhänge oder schlichtweg Dreck uns die Einsicht in die meißten Lokalitäten verwehrte, versuchten wir es mit den Tips aus dem Reiseführer. Wenn Wien etwas auszeichnet, dann ist das wohl der hervorragende Kaffee und die umwerfenden Torten, obwohl Cappuccino gerne mal mit Sahne serviert wird. Mit Sahne? Mit Schlagobers, so heißt das Zeug da unten. Nur warum? Wohl nicht, weil Schlag auf etwas zu oberst kommt, sonst wäre die Sahne ja bei Gurgensalat mit Obers ja auch zu oberst, ist sie aber nicht. Egal.
Irgendwo gab es dann doch noch ein T-Shirt und original Wiener Schnitzel, schon war der Freitag um. Samstag Highlight sollte die Regenbogenparade werden. Haben wir gedacht. Wer sich die jetzt vorstellt, wie den hiesigen CSD, da wir uns ja in einer europäischen Haupt- und Weltstadt befanden, der irrt. In kaum einer Stunde hatten wir die Parade etwa vier Mal umkreist und nebenbei versehentlich noch alle Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Und jetzt? Sehenswürdigkeiten standen doch erst für Sonntag auf dem Plan! Und Rückflug erst Montag Abend. Ja, wer kann denn ahnen, dass diese Satdt sooooo klein ist? So zogen sich Kaffeerausch, Zuckerflash und der Drang zu duschen durch den Aufenthalt in der wohl dreckigsten Stadt, die mir bisher untergekommen ist. Und ich sage das, obwohl ich immerhin aus einer wenig vornehmen Ecke Westfalens komme! Und ich bin schon viel durch das wenig pingelige Italien gereist. Wer allerdings in Gassen und auf Strassen keinen Platz für Bäume lässt, darf sich nicht wundern, wenn es nach Hundepippi stinkt und man die Pinkelstellen deutlich sieht, wenn die Stadtreinigung vernachlässigt wird. Und mit dem österreichisch/türkischem Hühnerkebab scheint auch was nicht zu stimmen, da im Umkreis von 10 Metern eines wirklich jeden Imbisses mindetsens einer sein Hühnerbrot wieder ausgekotzt hat.
Fazit:
Gut, dass wir da waren und nun wissen, wo wir noch nicht einmal tot überm Zaun hängen wollen. Insgesamt ostiger als unser Osten jemals war. Und stinkig. Und rückschrittig. Und dreckig. Nur Sissi ihr sein Schlößken ist wirklich hübsch anzusehen, auch wenn es da nicht nach Hund, dafür aber nach Pferde-Exkrementen mieft.
Noch eine Frage an Wiens männliche Heteros:
Warum, um Himmels Willen, lauft Ihr alle einheitlich mit der Berlin-Prenzlauer-Berg-superhip-Schwuppen-Frisur vom letzen Jahr herum? Seid Ihr wirklich so weit hinterm Berg?

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