Dienstag, 21. Februar 2006

Heute ist ein schwarzer Persona-Tag

Ja, das ist ein Steilpass in die randvoll gestopfte Klugscheisserecke, aber tut mir den Gefallen und haltet einfach die Klappe.
Niemals würde ich auf ein eventuell fehlerhaftes Plastikdings pinkeln und das in ein weiteres Plastikdings stecken, um herauszufinden, ob ich verhüten muss oder nicht. Schwangerei kommt nicht in Frage, nicht einmal, wenn die Hölle zufriert! Ich versuche sogar, mich der vielen, vielen Miniaturmenschausgaben, die schon produziert sind, mit List und Tücke zu erwehren. Gut, es gibt Ausnahmen, wenn ich direkten Bezug zu den kleinen Monstern habe, wie bei der Kleinen von meinen lieben Freunden V. und S., die-
Bitte? Ob das was mit den 500km Sicherheitsabstand zwischen Berlin und Osnabrück zu tun hat? Pffff, natürlich nicht! Wo war ich? Ah ja...
In 9 von 10 Fällen ist das Kind deshalb schrecklich, weil die Erzeuger so furchtbar sind, da bin ich mir sicher. Da kann das Kind nix gegen machen, wenn man ihm nicht dabei hilft, aber soll ich jetzt jede Blödmama deswegen versuchsweise umerziehen?
Ein Draufpinkelbarometer wäre toll, das anzeigt, wann sich so ein alternativ verzogenes Kreischmonster in meine unmittelbare Nähe zu begeben droht. Es könnte dann bedrohlich schwarz im Sichtfenster werden, damit ich angemessen gewarnt würde.
Seit einiger Zeit ist über bH und mir die Wohnung frei. Leider habe ich Grund zu der Befürchtung, dass dort demnächst ein Minihosenscheisser in unser sonst so friedvoll kreischkinderloses Haus immigrieren wird! *kreisch! Und im Schlepptau hat es eine schlecht blondierte Mutter mit einer leiernden Schreinemakersstimme in Verona-Stimmlage! Es war schon zwei Mal hier und das wenig vorbildliche Muttertier stöckelte unsanft stampfend die Holztreppe hoch, über das Parkett und tanzte arhythmischen Steptanz auf meinem Nervengerüst.
Genau diese Sorte wollte ich doch meiden. Was mach ich denn jetzt nur? Schwarzer, tiefschwarzer, dunkelschwarzer Persona-Kinderschreckalarm!

Die schreckliche Kehrseite dieser Spaßmedaille oben findet Ihr hier. Ein erschütternder Zustand, über den man sich wenigstens zwischendurch ernsthaft Gedanken machen sollte!

family affairs/ introducing GRANDMA

Bevor ich mit den Familiengeschichten beginnen kann, die mein Großvater ja zu seinen Lebzeiten eher ungern aufgeschrieben sieht, sollte ich die wichtigsten Mitglieder und Hauptdarsteller zumindest kurz vorstellen. Wir reden hier übrigens vorläufig nur von der Verwandtschaft mütterlicherseits, um Missverständnisse zu vermeiden.
Meinem Großvater Zuliebe, verwende ich selbstverständlich nicht die richtigen Namen der Familienmitglieder. Nennen wir meine Großeltern doch einfach Maria und Josef Lodenmantel.

Maria Lodenmantel kam Anfang der Zwanziger sowohl namentlich, als auch aus gesellschaftlicher Sicht wenn man so will, als eine geborene Nerzmantel zur Welt. Sie wurde nach den damals üblich strengen Massstäben erzogen, die sie sich zum Teil auch über die Jahre erhalten hat, dennoch war sie für damalige Verhältnisse ungemein modern.
Sie legte immer schon sehr viel wert auf ihr Erscheinungsbild. Bevorzugt trug sie farblich zurückhaltende Kostüme, die dem schlichten, aber klassischen Stil von Jil Sander gleich kommen, und sie war eine der mutigen Vorreiterinnen, was das Tragen von Hosen betraf. Als ausgebildete Graphikerin kann man ihr da sicherlich einen geübten Blick für Form und Stil nicht absprechen. Auch zu finanziell brenzligen Zeiten leistete sie sich stets einen Spitzenfriseur und besuchte regelmäßig eine gute Kosmetikerin, was ihr heute unheimlich zugute kommt, indem man sie um gut zehn Jahre jünger schätzen könnte. Selbst wenn sie Pfannen schwingend in der Küche hantierte und ihr das kartoffelwassergesträhnte Haar wirr über dem Auge kräuselte, hinterließ Maria stets den kunstvollen Eindruck von Anmut und Eleganz.
Sie brachte zwei schreckliche Töchter und einen anstrengenden Sohn zur Welt, deren Erziehung ein ordentliches Maß an Nervenstärke und Schneid erforderte. Sie scheute sich nicht auch mit hohen Absätzen, ihrem Sohn mit Anlauf in den Hintern zu treten, wenn es die Situation erforderte, oder meiner Mutter die Gabel schwungvoll in den Ellbogen zu stechen, sobald sich dieser während des Essens der Tischplatte näherte.
Ihrer Liebe zur Kunst (Sie liebt Chopin, verehrt Wilhelm Busch und vergöttert Horst Janssen!) verdankt sie wohl neben all ihrer demonstrativen Kraft auch ihren unverkennbaren Hang zur Dramatik. Sobald ihre Kinder oder besonders der Ehegatte ihr Nervenkostüm zu stark beanspruchten, legte sie sich mit einer Handvoll bunter Tabletten ins Bett und war schlagartig totkrank. Ihre Symptome reichen seit jeher von leichter Migräne bis zu Gefahr verheissenden Herzschmerzen und erinnern stark an die Szene der vor Sorge erkrankten Mutter Bennett in Jane Austens "Stolz und Vorurteil", als ihre jüngste Tochter unverheiratet mit einem Mann durchbrannte. Auch solch wundersame Heilungen erfuhr Maria Lodenmantel, also kann ich diesen Vergleich bedenkenlos so stehen lassen.
Ihr langes und erfülltes Leben wird sie dem Umstand verdanken, dass sie sich letztendlich nicht unterkriegen lässt, wie sehr sie auch unter vielen Bedingungen leiden musste und noch immer muss, so wie ihrem unerschütterlichen Humor. Maria Lodenmantel zitiert Busch in so ziemlich jeder Lebenslage und ich bin sicher, dass er maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sie sich nie am Querbalken des Dachstuhls aufgeknüpft hat.

to be continued...

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